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Historisches

Allgemeine Informationen zur Geschichte der Heringer Stadtkirche.

 

Kirche

 

Heringens Geschichte weist weit zurück. Um 500 n Chr. “ soll ein Adliger Thüringens mit Namen Hero oder Her beim heutigen Anger einen Herrenhof gegründet haben. Die Bewohner wurden „Heringen", der Ort aber „Zu den Heringen", später nur noch „Heringen" genannt.”1 Im 8. Jahrhundert wird die Gemarkung durch Schenkungen zum größten Teil Besitz des Klosters Fulda. Der Straßenname “Fuldische Aue” weist darauf hin. Sogar Bonifatius soll vom Kloster Fulda aus als Missionar im Raum Heringen tätig gewesen sein.


Die untersten Fundamente des ca. 25 m hohen Kirchturmes stammen von einer kleinen Kirche, die dort wohl schon im 9.Jahrhundert stand.

 

Mitte des 12. Jahrhundert wurde Heringen Sitz eines Erzpriesters. Es wurde eine größere Kirche errichtet. Der untere Teil des Turmes rührt aus dieser Zeit.

 

Im Jahre 1304 wurde die Kirche zerstört. Vermutlich steht diese Zerstörung im Zusammenhang mit dem Raubzug eines Apitz von Thüringen, bei dem noch viele kleine, damals vorhandene Dörfer um Heringen und im Werratal verwüstet wurden.


Aus der Zeit des Aufbaus im 14. Jahrhundert existieren am ehemaligen Nordeingang noch Steinmetzzeichen. Auf der Südseite ist der Zammetenkerl zu erkennen. Schießscharten im leicht zurückspringenden Obergeschoss verweisen auf die Nutzung als Wehrkirche.


1527 beginnt die Reformation in Heringen.
Die Bevölkerung, die seit der Missionierung durch das Kloster Fulda katholisch war, trat nun zum evangelischen Glauben über, wie er von Martin Luther verkündet wurde.


Im 30jährigen Krieg, 1618 — 1648, wurden erneut große Zerstörungen an dem Gotteshaus angerichtet. Das Dorf wurde am 13. Mai 1637 von kroatischen Verbänden der kaiserlichen Truppen in Brand gesteckt.

 

Die Kirche brannte dabei bis auf die Außenmauern nieder.
Der Wiederaufbau ging nach dem großen Krieg nur langsam von statten. Erst im Jahre 1670 erfolgte die Hauptaufbauarbeit und noch viele Jahre danach wurden immer wieder Ausbesserungsarbeiten ausgeführt.


Aus dieser Zeit stammt auch der Turmaufsatz, der bis heute ein beeindruckendes Beispiel spätmittelalterlicher Zimmermannskunst ist.


Die Evangelische Kirche Heringen blieb bis zum Jahre 1910 das gottesdienstliche Zentrum des näheren und weiteren Werratals.
So dient die Turmspitze als ein wichtiger Kirche bis 1911 Innenansicht der Kirche bis 1911 Bezugspunkt für die Vermessung. Aber nicht nur hierfür wurde auf die Turmspitze gezielt. Als im Jahre 2005 die Wetterfahne auf dem Turm renoviert werden musste, zeigte sich, dass die Kugel von Gewehrkugeln durchschlagen war.


Dies war keine Kriegsfolge, da sich in der Kugel Papiere von der vorausgegangenen Restaurierung Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts befanden.


Die Heringer Kirche von 1911 Im Jahre 1911 wurde dann mit dem Abriss der alten Kirche begonnen und man konnte den Neubau in Angriff  nehmen. Den Plan zum neuen Kirchenbau entwarf ein Kasseler Architekt. Es gelang ihm, an dem erheblich vergrößerten Kirchenschiff wesentliche Grundzüge der alten Basilika zum Ausdruck zu bringen.


Bei diesen Neubaumaßnahmen wurden auch romanische Bögen einer Vorgängerkirche freigelegt, die aber von unbekannten zerstört wurden.
Einer der früheren Pfarrer schreibt über den Neubau:

“Die neue Kirche verbindet aufs glücklichste die Erinnerung an ihre große romanische Vorgängerin mit den Notwendigkeiten einer evangelischen Gemeindekirche.”

Am Sonntag, dem 7. September 1912 fand unter Kugel mit Einschusslöchern und Dokumentenbehälter großer Beteiligung der Bevölkerung die Feier der Einweihung statt.


Das innere der Kirche von 1911.
Blick von der auch heute noch stehenden Empore Die heutige Kirche Im Jahre 1970/71 - nach nur knapp 60 Jahren ihres Bestehens wurde die Heringer Kirche total umgebaut. Probleme in der Statik machte dies nötig.
Das war in Ereignis, das viele Gemeindeglieder traurig stimmte. Doch wurden so manche in der Gemeinde durch die helle, ansprechende Innengestaltung der neuen Kirche wieder versöhnt. Die Kirche ist zu einem wunderschönen Gottesdienst - Raum geworden.

 


Sehenswürdigkeiten in der Heringer Kirche - ein Rundgang

 

1. Station — Der Turmeingang Der Christuskopf enn man die Kirche durch den Turm  betritt, entdeckt man über sich ein gotisches Kreuzgewölbe Es zählt mit zu den ältesten und auch schönsten Teilen unserer Kirche. Richtet man  den Blick zum Scheitelpunkt des Gewölbes entdeckt man dort den Christuskopf. Er ist Jahrhundert. Eine genaue Datierung konnte nicht gefunden werden. In der Gotik wurde es möglich, freitragende Decken zu bauen. Der höchste Stein trug dabei alle Kraft des Kreuzgewölbes. So sieht man auch in diesem Chorraum - dem so genannten Paradies - vier Streben zum höchsten Punkt führen und auf Christus zulaufen, der somit alles  trägt. Der heutige Haupteingang ist erst beim letzten Umbau geschaffen worden, früher war hier die Sakristei untergebracht, die sich heute im  Kellergeschoss befindet.


2. Station - Der Kirchraum
Der im Stil der 70 er Jahre gestaltete Kirchraum mutet offen und lichtdurchflutet an. Beachtenswert ist die Komposition der Deckengestaltung mit  den großen Leimbindern. Sie läuft strahlenförmig auf die tragende Säule im Altarbereich zu, in dem Kreuz, Kanzel, Altar, Taufstein und Orgel ein  gemeinsames Zentrum bilden. Dieses Zentrum ist geprägt von dem runden Altar, um den herum sich die Gemeinde im Halbkreis versammelt. Diese moderne Architektur des Kirchraumes spiegelt die Ausrichtung des Lebens auf Gott den Schöpfer und Ursprung des Lebens wieder, und  öffnet gleichzeitig den Blick der Gemeinde füreinander. Der großzügige Altarraum eröffnet die Möglichkeit zu vielfältig gestalteten Gottesdienstfeiern im Jahreskreis.


Die Orgel
Die Orgel der Heringer Stadtkirche ist ein Werk der Fa. Bosch (Kassel/Niestetal) von 1973. Die Orgel besitzt 20 Register auf 2 Manualen  (Hauptwerk und Rückpositiv).  Nach fast 40 Jahre stand eine Generalreinigung an.  Die Arbeiten wurden im Herbst 2012 von der Firma Noeske aus Rotenburg an der Fulda durchgeführt.

 

Orgel


Das Taufbecken
Das Taufbecken stammt aus dem Jahre 1551 und ist spätgotisch. Neben Blumenornamenten und einem Spruchband, das aber nicht mehr lesbar  ist, findet man zwei Wappen, eines mit drei Sternen und eines mit einem Fisch. Dieser Taufstein wäre bei dem Neubau der Kirche im Jahre 1971 fast verloren gegangen. Er befand sich schon beim Bauschutt. Nur der Aufmerksamkeit eines Gemeindemitgliedes ist es zu Verdanken, dass er gerettet wurde.


Der KelchHeringer Kirchenschatz
Neben einem schön gestaltetem Kreuz aus der 70er Jahren des letzten Jahrhundert besitzt die Kirchengemeinde einen silbernen Abendmahlskelch aus dem 16./17. Jahrhundert. Der ältere Fuß, auf dem ein Wappen zu sehen ist, stammt aus dem süddeutschen Raum (Biberach) und wurde  vermutlich von einer katholischen Gemeinde genutzt. Er kam wahrscheinlich in den Wirren des 30jährigen Krieges nach Heringen. Er trug damals  wohl noch eine kleinere Kuppa (Kelchbecher). Die mit feinen Ziselierungen versehene Kuppa stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde  notwendig, damit nicht nur der Priester, sondern die ganze Gemeinde während des Abendmahls daraus trinken konnte. Der Löffel, der dem  Abendmahlskelch beigesellt wurde, stammt aus dem Jahre 1763 aus der Silberschmiede von Justus Hasenpluch. Er diente dazu Oblaten- bzw.  Brotreste aus dem Wein „zu fischen“.

 

3. Station — der Turm
Der Rundgang führt uns nun wieder in den Turm zurück und die Treppe hinauf Das Uhrwerk In der unteren Turmstube befindet sich das Uhrwerk,  das in seiner Gestalt als mechanisches Uhrwerk eine historische Besonderheit darstellt und in Teilen auf die Zeit vor dem großen Brand von 1637  zurückgehen soll. Bis vor ca. 2 Jahren wurde die Uhr noch von diesem Uhrwerk gesteuert. Der Gang in die Glockenstube führt über die schmale  obere Turmstiege. Diese ist nach dem Brand wieder verwendet worden. So gehen hier schon seit über 400 Jahre Menschen über die kunstvolle  Treppenkonstruktion.


Die Glockenstube
Die Scharten in der Glockenstube sind so genannte Maulscharten, die für die Handfeuerwaffen im 15. — 16. Jahrhundert entwickelt wurden. Sie  weisen darauf hin, dass die Heringer Kirche als Wehrkirchenanlage genutzt gewesen war.

 

Die Glocken — Das Heringer Dreiergeläut
Die Kirche besitzt heute noch zwei Glocken aus dem Jahr 1544, und eine aus dem Jahr 1617. Das Dreiergeläut der Heringer Kirche, in es, as und  des (Doppelquarte) gestimmt, hat zusammen eine 1300jährige Geschichte. Das Zweiergeläut von C. Abentbrot aus dem Jahre 1544 (große Glocke und rechte Glocke) ist ein mittlerweile einmaliges Zweiergeläut in Deutschland. Die beiden Glocken sind im gleichen Guss durch den seinerzeit  bekannten Erfurter Glockengießer Carnelis Abentbrot im Jahre 1544 entstanden. Es sind historisch aber sogar auch klanglich überaus wertvolle  Glocken, Es ist nicht ein einziges Zweiergeläut dieses Glockengießers mehr bis heute erhalten geblieben. Auch die 3. Glocke des Gießers Melchior  Moerinck aus dem Jahre 1617 ist von hoher historischer und musikalischer Bedeutung. Es gibt zwar noch einige Moerinck-Glocken, aber auch diese  sind nach den beiden großen Glockenabhängungen der beiden letzten Weltkriege selten geworden. Es ist eine Besonderheit, dass ein  vollständiges Geläut aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg erhalten geblieben ist, denn man nutzte Glocken gerne als Rohstoff für. Kanonen. Früher hatte jede Glocke ihre eigene Funktion. Die große Glocke (Betglocke) läutete zu Beginn des Tagwerkes und zu seinem Ende. Die mittlere Glocke (Mittagsglocke) läutete um 11 Uhr und die kleine Schulglocke rief eine viertel Stunde vor Beginn des Unterrichts die Schüler zusammen. Heute wird sie auch als Totenglocke genutzt.

 

Glocke


4 Station — Der Zammetenkerl
An dem ehemaligen Nordeingang existieren noch diverse Steinmetzezeichen, die aus dem letzten Jahrzehnt des 14. Jh. datieren. An der  Südostseite des Turmes gegenüber dem Hauptzugang des Kirchplatzes - ca. 2 Meter oberhalb des Kirchdaches findet man einen in Stein  gehauenen Menschenkopf mit herausgestreckter Zunge und darunter ein Wappen mit einem Fisch. Um einen Eindruck von dem Wappen zu  bekommen, muss man aber nicht auf das Dach steigen. Am Taufbecken in der Kirche findet man das gleiche Wappen Dieser Kopf könnte einen  Medusenkopf oder Neidkopf darstellen. Neid kommt aus dem althochdeutschen Wort „nid" für Hass, Neid, Zorn. Im Mittelalter wurden solche Gestalten häufig zur Abwehr von missgünstigen Geistern an Gebäuden befestigt. Die Heringer nennen den Medusenkopf', auch liebevoll „Hebes"  oder „Hebeskopf" oder „Hebeskerl" (Hebes = Kloß, wegen der aufgeplusterten Wangen).

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